Besucher unterstützen die Restaurierung von Skulpturen im Sizilianischen Garten in Sanssouci
Mit dem Erwerb eines Tickets unterstützen die Besucher der XII. Potsdamer Schlössernacht 2010 die Restaurierung kostbaren Skulpturenschmucks im Sizilianischen Garten im Park Sanssouci. Vier Balustradenskulpturen und zwei Figurengruppen der Seelöwenfontäne sollen Dank der Unterstützung der Schlössernachtsbesucher restauriert an ihren Ort im Sizilianischen Garten zurückkehren. Die Balustradenfiguren werden im Sommer 2011, die Seelöwenfontäne im Sommer 2013 wieder im Garten zu erleben sein. Die Summe, mit der die XII. Potsdamer Schlössernacht die Restaurierungen unterstützt, wird bei vollem Ticket-Verkauf 254.000 Euro betragen.
Die Restaurierungs-Objekte
Balustradenfiguren wie Seelöwenfontäne schmücken den Sizilianischen Garten im Park Sanssouci, der 1857–1860 von Peter Joseph Lenné für Friedrich Wilhelm IV. angelegt wurde. Die zwei Skulpturengruppen der Seelöwenfontäne zeigen Najaden, die auf Löwen reiten. Eduard Stützel (1806–1877) und Alexander Gilli (1842–1880) führten sie 1858–1862 nach einem Modell von Julius Franz (1824–1887)in Carrara Marmor aus. Die vier Skulpturen von der Balustrade des Sizilianischen Gartens entstanden nach antiken Vorbildern. Sie zeigen Aischines, Demostenes, Sophokles und einen Feldherren. Gefertigt wurden sie um 1860 ebenfalls in Carrara Marmor von Eduard Mayer (1812–1881).
Alle Skulpturen zeigen nach 150 Jahren an einem für Marmor schwierigen Standort im Außenklima deutliche Verwitterungserscheinungen. Der Park mit seinen hohen Bäumen und der Betrieb der Wasserspiele verstärken eine biologische Besiedlung mit Moosen, Flechten und Algen. Wasser und hohe Luftfeuchtigkeit tragen darüber hinaus zur Verwitterung des Marmors bei. Gleichzeitig bringt der Standort an der Straße neben Belastungen durch Verkehrsstaub permanente Erschütterungen mit sich, die die Statik der Skulpturen belasten.
Äußerlich ist das Erscheinungsbild der Skulpturen geprägt durch einen starken biogenen Bewuchs sowie schwarze Ablagerungen, die zu kompakten Krusten aufgewachsen sind. Allgemein ist eine Rückwitterung der Oberflächen zu verzeichnen. Zahlreiche Risse im Marmor deuten auf Materialspannungen und Bewegungen hin. Risse in den Fußbereichen der Skulpturen gefährden außerdem die Standsicherheit.
Neben der visuellen Einschätzung haben Ultraschallmessungen ergeben, dass neben einer Auflockerungszone an der Oberfläche der Skulpturen bereits eine Auflockerung des Kerngefüges besteht – ein Phänomen, das bei Carrara Marmor unter bestimmten Klimaeinflüssen entsteht und zu Detailabbrüchen bis zum Totalverlust der Skulpturen führen kann. Aufgrund des schlechten Zustands mussten die vier Balustradenskulpturen sogar bereits 2003 abgebaut und im Skulpturendepot untergebracht werden.
Ziel der Restaurierung ist es, durch geeignete Konservierungsmaßnahmen die gestörte Struktur des Carrara Marmors im Skulptureninneren zu ertüchtigen und die Skulpturen in ihrer Aussage wieder in vollem Umfang erlebbar zu machen. So sollen die Oberflächen von schädigenden Auflagen gereinigt und die Fehlstellen durch Ergänzungen geschlossen werden, um das Eindringen von Wasser über aufgebrochene Marmoroberflächen zu vermeiden. Eine Vollkonservierung, für die in einem technisch aufwändigen Verfahren ein Acrylat in das innere Porensystem der Skulptur gebracht wird, soll der Auflockerung der Marmorstruktur entgegenwirken.
Bisherige Förderobjekte
2009
Attika-Skulpturen des Neuen Palais
Dank der Unterstützung der Schlössernachtbesucher 2009 werden acht bis zehn der kostbaren Attika-Skulpturen des Neuen Palais, darunter Paris und die Musen, in ihrem Bestand gesichert, ergänzt und durch Behandlung an der Skulpturenoberflächen geschützt. 2010 sollen die restaurierten Figuren wieder das Gesamtkunstwerk Neues Palais und damit auch den Ort für das alljährliche glänzende Finale der Schlössernacht schmücken.
2008
Roßbrunnen am Schloss Sanssouci
Der Roßbrunnen am Schloss Sanssouci ist ein hochwertiges Baudenkmal im UNESCO-Welterbe und wichtiges Naturschutzareal zugleich, denn im Ziegelgewölbe überwintern geschützte Fledermausarten. Durch die Unterstützung können die Brunnenschalen des 1852 nach Plänen Ludwig Ferdinand Hesses errichteten Zierbrunnen ausgerichtet, das Dach saniert und die Ziegelgewölbe repariert werden. Die Arbeiten beginnen im April 2010, wenn die Fledermäuse ihr Winterquartier verlassen haben. Zur XII. Potsdamer Schlössernacht soll die Sanierung abgeschlossen sein.
2007
Posttor
Als Teil eines riesigen Eingangsportals des deutschen Pavillons zur Weltausstellung 1893 in Chicago wurde das Tor nach seiner Rückkehr aus Amerika am Südende der Lindenavenue als Eingang zum Park Sanssouci aufgebaut. 1997 vorsorglich abgebaut, konnte es restauriert und wieder eingebaut werden.
2006
Pergola Villa Liegnitz
Die Pergola der Villa Liegnitz ist Teil spätklassizistischer Gartenarchitektur. Als Teil der die Villa der Fürstin Liegnitz umgebenden Gartenanlage war sie seinerzeit ebenso berühmt wie die Römischen Bäder und Schloss Charlottenhof. Die Mittel der Potsdamer Schlössernacht konnten den fortschreitenden Verfall beenden und die Rekonstruktion ermöglichen.
2005
Säulen im Parterre von Sanssouci
Die eigentlich für den Ruhmestempel Walhalla bei Regensburg vorgesehenen Säulen zieren seit 1844 das Gartenparterre von Sanssouci. Der Korallenkalkstein und die vergoldeten Zinkgusskapitelle waren seitdem Witterungs- und Umwelteinflüssen ausgesetzt. Durch die Unterstützung der Schlössernacht konnten zwei der vier Säulen restauriert werden.
2004
Westbrücke über den Maschinenteich
Mit den Mitteln der Schlössernacht 2004 begann die Geschichte der direkten finanziellen Unterstützung von Restaurierungsprojekten im Park Sanssouci. Erstes Projekt war die Wiedererrichtung der Brücken über den Maschinenteich, wovon die westliche mit Mitteln der Schlössernacht rekonstruiert wurde. Die Behelfsbrücken der Schlössernacht, die drei Jahre lang Bestandteil der Veranstaltung waren, wurden endlich abgelöst, und der historische Weg über die Sellowiese entlang den Römischen Bädern war wieder begehbar.
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